Die
im Rahmen einer Enuresisdiagnostik erstmals auffällig gewordene Mikrohämaturie
eines
Mädchens war Anlaß weiterer Untersuchungsschritte. Die Familienanamnese
zeigte,
daß die Kindesmutter an einer dialysepflichtigen Nephropathie leidet.
In der aufsteigenden Linie finden sich weitere Fälle von Nierenversagen
in Kombination mit Schwerhörigkeit
und anderen Auffälligkeiten. Der Familienstammbaum (s.Graphik) weist
insgesamt auf einen klassischen autosomal-dominanten
Erbgang
hin.
Bei einem weiteren Jungen der drei Geschwister ließ
sich ebenfalls eine Mikrohämaturie nachweisen.
Mikroskopisch zeigen die Erythrocyten typische Merkmale
einer renalen Herkunft. Alle weiteren klinischen und laborseitigen Untersuchungen
waren ohne pathologische Abweichung.
.
Damit bestand kein Zweifel, daß eine erbliche
Nephropathie vorlag und per Zufallsbefund eine bis dahin unerkannte Alport-Familie
entdeckt wurde.
Bemerkenswert ist der Umstand, daß die
auffällige familiäre Häufung schwerer renaler Erkrankungen
mit typischem Erbgang bis zu diesem Zeitpunkt bei keinem Familienmitglied
eine diagnostische Wertung erfuhr. So lautete die nephrologische Diagnose
bei der Mutter "pyelonephritische Schrumpfniere". Erst die Rückinformation
über die Diagnose bei der Tochter führte zu einer Diagnose- korrektur.
Auch bei dem inzwischen symptomatisch auffälligen
Sohn wurde im Rahmen einer anderen Orts eingeleiteten "Enuresis-Diagnostik"
die entdeckte Mikrohämaturie zunächst Ausgangspunkt für
eine invasive urologische Untersuchung in einer Universitätsklinik,
ohne daß der familiäre Hintergrund der Hämaturie anamnestisch
erfaßt und berücksichtigt worden wäre.
Anhand dieser Kasuistik läßt sich
ableiten, daß die schulmäßige Forderung nach einer sorgfältigen
Anamnese-Erhebung auch heute nichts an Aktualität eingebüß
hat. Nicht zuletzt ist dies im Interesse der Vermeidung unnötiger
diagnostischer Schritte und einer korrekten prognostischen Wertung notwendig.
.
Ansprechpartner für
die Thematik:
Prof.Dr. Riess
Abteilung für Medizinische
Genetik
Universität Tübingen
wilhelmstrasse 27
72074 Tübingen
phone: 07071-29-76458
email: olaf.riess@med.uni-tuebingen.de
Dr. Gross
Eiweisslabor
Klinikum Mehrheim
Ostmehrheimer Str. 200
51059 Köln
Tel. 0221-89073200 bzw. 89073406
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Dr.Peter Langer