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Lotse oder Heilgehilfe?
Nein, bitte nicht schon wieder die Reanimation einer abgelegten Reformleiche: "Der Hausarzt als Lotse", so schallt es seit längerem durch den Blätterwald. Die Frau Ministerin wollte bereits aktivierend in Aktion treten, das Ganze möglichst mit finanziellem Anreiz für den Patienten über einen niedrigeren Versicherungs- Beitrag (Quelle:Ärztezeitung 1.3.2001). 

Der Versuch, eine kostenträchtige fachärztliche Behandlung durch Vorschaltung eines "Pförtners" in der Gestalt des Hausarztes billiger und dennoch gefällig zu machen, dieser Versuch wird sich wie die ungebremste Chipkarte als Fehlgriff erweisen. 
Man muß dem Patienten immer wieder erläutern, daß es hier nicht um die Erfindung neuer und effektiverer Behandlungsformen geht. Der Hausarzt wird das bleiben, was er schon heute ist. Auch der Hausarzt von morgen wird, wenn der Patient dies wünscht, die Bindehautentzündung allein behandeln, nicht aber eine Netzhautablösung des Auges. Er wird die Blinddarmentzündung diagnostizieren, die Operation aber dem Chirurgen überlassen. Auch morgen wird er den Diabetiker in guter Zusammenarbeit mit einem Spezialisten behandeln. Gute Ärzte haben von je her ein bewährtes Netzwerk der Zusammenarbeit mit  ihren fachärztlichen Kollegen. Was sich ändern soll, ist die Pflichtvisite jedes Versicherten bei seinem Hausarzt, wenn er einen Facharzt aufsuchen möchte. Es geht ums Geld, der Rest ist Schaumschlägerei. Ändern würden sich natürlich auch die Patienten-Schlangen vor den hausärztlichen Praxen, an den Einkommen der Hausärzte würde sich nicht ändern.
Das ganze Manöver ist eine psychologische Milchmädchen-Rechnung, denn jene Zeitgenossen, die bisher zusätzlich oder primär den Weg zum Facharzt bevorzugten, werden es auch künftig tun. Und zwar ohne persönliche Mehrkosten! Sie werden dieses Verlangen ganz unverblühmt dem zum rezeptierenden Heilgehilfen degenerierten Hausarzt  auf den Tisch legen, und jener tut schon heute gut daran, diesem Verlangen zu folgen, wenn er keine Patienten verlieren will. Wie soll der arme Praktiker denn seinem Patienten klar machen, daß  "seine"  Medizin  für das spezielle Anliegen ausreichend und gut sei? Und letztlich: wenn ihm genau diese Pförtner-Rolle zugedacht wird, warum sollte er sie dann nicht so unbelastet wie möglich ausüben? 

Nein, aus verschiedenen Gründen würde das Lotsenkonzept im Deutschland von heute keine gute Lösung sein, denn eine solche Entwicklung müßte zwangsläufig zu weiteren Qualitätsverlusten in der hausärztlichen Medizin führen. 

Diese Verluste haben längst begonnen und auch in der kinderärztlichen Versorgung bereits beängstigende Ausmaße erreicht: aufwendige psychotherapeutische Behandlungen mußten  außerhalb  sogenannter Schwerpunktpraxen trotz Qualifikationsnachweises aufgegeben werden, da sie nicht mehr bezahlt werden. In hochwertige technische Ausrüstungen, etwa für die Sinnesdiagnostik, wird nicht mehr investiert oder sie werden abgeschafft. Die großen Möglichkeiten einer modernen und schnellen Labordiagnostik in der Praxis werden nicht mehr voll ausgeschöpft, da sie unrentabel geworden sind. Teure Weiterbildungen und Qualifikationen, die dem Patienten früher unmittelbar zugute kamen, werden heute aus Kostengründen vermieden. All das führt nicht  zu akuten Gesundheitseinbrüchen oder Versorgungsdefiziten, die jedem schnell erkennbar wären. Aber bereits über einen mittleren Zeitraum hinweg wird der Abbau schmerzhaft spürbar werden. 
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Derweil halten die Politiker aller Schattierungen die üblichen Fensterreden. Hier werden, oft abseits der ärztlichen Basis, u.a. Qualitätskontrollen und Disease-Management-Programme als Zukunftsmodelle formuliert und gefordert, Begriffe somit, deren Inhalt und Sinnhaftigkeit für Ärzte unstrittig sind und nichts Neues darstellen. Im Schatten einer unbewältigten Systemreform entpuppen sie sich allerdings als pure Nebelgranaten einer hilflosen Polit-Mannschaft. Wir brauchen Politiker, die sich der unpopulären Frage nach der Bezahlbarkeit gesellschaftlicher Wünsche stellen. Hinweise auf die ärztliche Ethik reichen da nicht aus! 
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Nein, eigentlich verdient die deutsche Medizin  es nicht, zwischen Politik und den geldverwaltenden Kassen derart zerrieben zu werden. Denn, was dann kommt, will keiner.
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© Dr.Peter Langer