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| Praxisnetze: Zukunft oder Etikettenschwindel |
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Immer wieder tauchen Netzwerkkonstrukte wie Phoenix aus der Asche auf und machen mit Absichtserklärungen und Versprechungen auf sich aufmerksam, obwohl die Untauglichkeit dieser Modellserie eigentlich längst unter Beweis gestellt wurde. Je größer und inhomogener eine Gruppenbildung ist, um so unwahrscheinlicher ist ein positiver Effekt im Sinne verbesserter Gesundheitsleistungen. Die meisten Ärztenetze stellen denn auch völlig voraussetzungslose Zusammenschlüsse niedergelassener Ärzte dar, die mehr oder weniger krampfhaft nach einer eigenen Identität und Zielsetzung suchen. Selbst dümmliche Namensgebungen wie "B.O.I.N.G." sollen ein Vertrauen suggerieren, für das eine Arztgruppe aus Ostwestfalen offensichtlich erst werben muß. Ein belegbarer Nutzen ist in der Regel nicht erkennbar, denn alle Absichtserklärungen, Erwartungshaltungen und Patientenwerbungen erweisen sich bei genauerem Hinsehen in großem Maße als Etikettenschwindel. Das hinderte in Niedersachsen niemanden daran, einen neuen Anlauf unter dem Namen "Medinet" zu unternehmen. Nicht weniger als eine "Vision von der integrierten Versorgung" sollte verwirklicht werden. "Mehr Qualität zu geringeren Kosten durch engere Kooperation", hieß es. Was in diesem und anderen Fällen angelobt wird, sind die altbekannten Floskeln von Behandlungsleitlinien, Qualitätszirkeln, Kosteneinsparungen und Ähnlichem. Die Ernüchterung kommt auf breiter Front spätestens dann, wenn die zusätzlichen Finanzspritzen der Krankenkassen ausbleiben. Erst kürzlich wurden die Verträge zum sogenannten Berliner Kodexarzt- System seitens der AOK gekündigt, ein Versuchsballon, an dem die KV-Berlin mit Geld und Personal beteiligt war. Keiner wird indes ernsthaft behaupten, daß dadurch ein Stück unwiederbringlicher Versorgungsqualität geopfert wurde. Ähnlich erging es dem TK-BKK-Netzwerk in Berlin. Die Zahl der aufgelösten oder vor sich hindümpelnden Projekte ist inzwischen beachtlich. Der jüngste Absturz betrifft drei Praxisnetze aus dem Norden, die nun nach einer dreijährigen Modellvereinbarung ohne weitere Subventionierungs- Gelder vor dem "Aus" stehen.
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Man fragt sich, was gestandene Ärzte immer wieder dazu veranlaßt, einer solchen Rattenfängerei auf den Leim zu gehen und sich in großer Anzahl derartigen Vorzeigeobjekten anzuschließen. Offensichtlich führen die wirtschaftliche Zwangslage einerseits und die politischen Pressionen andererseits zu einer allgemeinen intellektuellen Verunsicherung. Beispielhaft wurden z.B. 100 Kollegen mit einer Anschubfinanzierung von über 1 Millionen Euro geködert. Nun, dieses Geld ist erfahrungsgemäß schnell verbraucht, und die AOK wird Mittel finden, die Ärzte im Gegenzug für die eigenen Vorstellungen zu instrumentalisieren. Im Zentrum der Vernetzungsmodelle
unterschiedlichster Prägung steht nach wie vor kaum die Sorge um eine
qualitativ ungenügende Patientenversorgung, sondern die Hoffnung,
einen stabileren wirtschaftlichen Boden unter die Füße zu bekommen.
Krankenkassen und Regierung gewinnen auf diesem Wege eine modellierfähige
ärztliche Manövriermasse. Und während einerseits kräftig
an den Versorgungsmodellen für die Funktionärsriege gebastelt
wird, droht den nicht-vernetzten Ärzte eine wirtschaftliche
Marginallisierung.
© Dr.P.Langer, 2003 |