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Findelhäuser und Waisenhäuser
waren für ungezählte Kinder , die sonst dem Kindesmord oder der
Aussetzung zum Opfer
fielen, die einzige Rettung. Es bedurfte zunächst grundsätzlicher
Entscheidungen von Kirche und Staat, um das Leben eines Neugeborenen als
schützenswertes Rechtsgut zu definieren. In Bedrängnis und Not
geratene Frauen konnten nunmehr hoffen, daß die ausweglose Trennung
von ihrem Kind nicht zwangsläufig auch den Tod des Kindes bedeuteten.
Natürlich waren diese Anstalten zunächst
nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Sie bildeten aber letztlich
die Keimzelle unserer heutigen Kinderkliniken, und wir haben bei vorurteilsloser
Betrachtung keinerlei Anlaß, diese Anfänge geringschätzig
zu bewerten. Dazu ist nicht einmal der Blick in die sogenannte „dritte
Welt" von heute notwendig. Wir erinnern uns, daß erst vor wenigen
Monaten ein Kind in Deutschland ausgesetzt und unter dem Namen „Felicitas"
adoptiert wurde.
Einen bemerkenswerten Schritt weiter läßt das Konzil zu Vaison erkennen: „ ...ein jeder soll ein weggelegtes Kind, das er aufgenommen hat, in die Kirche tragen, damit ihm der Vorsteher die Aufnahme bestätigt...die Elternhaben zehn Tage Zeit, es wieder zurück zu fordern...". Ausführliche Mitteilungen liegen über
die Findelhäuser in Italien vor. In Mailand
befinden
sich Gebäranstalt und Findelhaus im gleichen Gebäude zu Sta.Catterina.Weder
Raum noch Einkünfte reichten aus, um die täglich 15-18 neu aufgenommenen
Kinder zu versorgen. In Frankreich wurde die Drehlade durch ein Dekret Napoleons vom 19.1.1811 eingeführt. Erst auf Grund dieser Bestimmung erhielt das Findelhaus in Paris eine Drehlade. Durch diese wurden aber auch die Mißbräuche, die man abschaffen wollte, vervielfacht. Dem Mißbrauch war die Tür geöffnet. So wurde z.B. in Montreuil ein Taubstummer von 17 Jahren mit Gewalt in eine Drehlade hinein gezwängt. Die Sterblichkeit in den Anstalten war erschreckend:
im Jahr 1809: 81%; 1839: 75%; 1860-1869: 47%. Parallel zur Gründung
von Findelhäusern entstehen Waisenhäuser
in großer Zahl, besonders in der Folge verheerender Kriege. In Stockholm
starben in einem 1786 erneuerten Waisenhaus mehr als 50% aller Kinder.
In dem Allmänna-Barnhuset wurde 1845 die erste schwedische Kinderklinik
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