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Hyperaktivität scheint in Pädagogik, Psychologie und manchen Teilen der Pädiatrie zum einem Hauptproblem zu werden. Überall wird davon geredet, heftige Richtungs- und Fachkämpfe ausgefochten und die Medien tun das ihre, um durch Mischung von gut recherchierten Sendungen und Sensationsshows ohne sachlichen Hintergrund noch mehr Verwirrung zu stiften. Sekten machen sich breit und bieten ihr Heil an, um problembeladenen Eltern auch noch Geld aus der Tasche zu ziehen. Was also versteht man unter Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom (ADS) oder hyperkinetischem Syndrom oder Hyperaktivitätssyndrom (ADHS ,ADDS )? Früher wurde diese Erkrankung als Hyperaktivitätssyndrom bezeichnet. Die Erkenntnis, dass nicht nur hyperaktive, das heißt unruhige, sondern auch hypoaktive, das sind ruhige verträumte Kinder, zum gleichen Formenkreis gehören können, hat in den letzten Jahren auch in Deutschland zu einer Umbenennung des Krankheitsbildes geführt, das jetzt als Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom (ADS) mit und ohne Hyperaktivität deklariert wird, bzw. als Aufmerksamkeits-Defizit-/Hyperaktivitäts-Störung (ADHS) Wenn die folgenden Dinge auffallen, sollte man an das Krankheitsbild denken:
Extreme Hyperaktivität (motorische Unruhe)
Nicht alle genannten Verhaltensauffälligkeiten müssen nebeneinander bestehen und ebensowenig müssen alle Auffälligkeiten gleich stark ausgeprägt sein. Die große Variation in Qualität und Quantität des Erscheinungsbildes macht es schwierig, dieser kombinierten Verhaltensstörung einzuschätzen. Die Ursachen für das ADS sind nicht elterliches oder mütterliches erzieherisches Unvermögen, sondern sind in einer ererbten Störung zu suchen, die das Botenstoffsystem des Gehirns betrifft, das für die Vermittlung von Informationen verantwortlich ist. Bei den Betroffenen wird aufgrund einer Filterschwäche des Systems das Gehirn mit Informationen überflutet. Das ADHS ist mit rund fünf Prozent aller Kinder und Jugendlichen zwischen sechs und 18 Jahren die häufigste Verhaltensstörung weltweit. Etwa 50 Prozent haben auch im Erwachsenenalter weiterhin Probleme. Im Säuglingsalter ist eine Diagnose nicht möglich, aber viele Kinder, bei denen später ein ADHS diagnostiziert wird, zeigen auffällige Regulationsstörungen. Sie schreien oft ungewöhnlich viel, sind in dauernder Bewegung und lieben Körperkontakt eher wenig. Nie wirken sie entspannt, Sie sind meist unzufrieden und sorgen für erhebliche Schlafstörungen bei den Eltern. Im
Kleinkindalter,
der sog. „Erprobungsphase“, sind diese Kinder für die Umwelt besonders
strapaziös. Sie haben die Fähigkeit, aus jeder Situation ein
„Happening“ zu machen. Alles was ihnen in die Hände kommt, wird zerlegt.
Sinnvolles, konstruktives Spielen entwickeln sie kaum. Die Spiele sind
meist chaotisch oder destruktiv. Die motorische Unruhe und Impulsivität
steht ganz im Vordergrund. Die Eltern wissen häufig nicht, wo sie
zuerst hinfassen sollen, um Gegenstände vor den Kindern und andererseits
die Kinder vor sich selbst und vor Unfällen zu schützen. Sie
behalten ihre Kinder ständig im Auge und wirken daher häufig
als "überbehütende" Eltern. Diese Familien laden nur noch ungern
Freunde ein und werden selbst selten eingeladen, da ihr Kind sich ständig
in den Vordergrund spielt, und Unterhaltungen durch Geschwätz oder
provokantes Handeln stört. So sind sie oft frühzeitig sozial
isoliert.
Jugendliche mit ADHS sind in ihrer psychischen Reifung verzögert. Die Ablehnung der Umwelt ist durch das erheblich gestörte Selbstwertgefühl stärker als üblich ausgeprägt. Die Schwierigkeiten und Streitigkeiten mit den Eltern nehmen oft extreme Formen an. Oft bestehen Minderwertigkeitsgefühle, niocht selten Selbstgefährdung und Depressionen bis hin zu Selbstmordgedanken. Kriminalität und Drogensucht treten gehäuft auf.. Aus der Hyperaktivität wird jetzt eine „Nullbock- Mentalität“, das heißt sie haben keinerlei Interesse, keinen Antrieb etwas anzufangen, geschweige denn eine Arbeit oder Aufgabe zu Ende zu bringen. Die Berufswahl wird zur Katastrophe, da sie eigentlich an nichts interessiert sind oder, wenn überhaupt ein Interesse gezeigt wird, dann an etwas, was mit den bisherigen schulischen Leistungen nicht bewältigt werden kann. Während der Berufsausbildung selbst haben sie es ebenfalls schwer, weil sie oft schlecht gelaunt und faul wirken. Was
ist zu tun?
Das Konzept der sogenannten multimodalen Therapie beinhaltet: Aufklärung und Beratung von Patienten, Eltern und LehrernAls Erziehungsprinzip für alle schwierigen Kinder gilt: Regelmäßigkeit
Im Schulalter müssen Eltern immer wieder Anwalt ihres Kindes sein. Kinder mit ADHS sind erziehungsresistent. Es gilt, zielorientiert zu handeln und Prioritäten zu setzen. Die Ziele müssen erreichbar sein. Im regelmäßigen Gespräch mit den Lehrern auf die Probleme des Jugendlichen hinweisen. Sinnvolle Pläne aufstellen und schriftlich fixieren. Lenkung der Freizeit, viele gemeinsame Spiele und Aktivitäten. Sport möglichst im Verein, große Mannschaften sind aber eher ungünstig. Künstlerische Neigungen und handwerkliche Arbeiten fördern. Es kann notwendig werden, soziales Verhalten in Gruppen zu erlernen, zum Beispiel im Rahmen einer Verhaltenstherapie. Im
Adoleszentenalter
gilt:
Effektiv
fördern können nur Eltern, die als einzige täglich und über
einen längeren Zeitraum mit ihren Kindern zu tun haben. Erschöpfte
und verzweifelte Eltern können nur wenig Halt und kaum Förderung
geben. Die ärztliche Beratung und Hilfe muss dazu führen, dass
Eltern stark werden, mit langem Atem ihre Kinder bis ins Erwachsenenalter
hinein begleiten und sie stufenweise zur Selbstständigkeit führen,
auch wenn das bei einem ADHS-Kind sehr viel länger dauert und viel
Kraft kostet.
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