ForumLinksCameraSuchindexeMailPraxisinfoTippsKollegenhome
.
paednet.de  | adinfo  | disclaimer | home  | www.PLanger.de

.

Abwege der Statistik
.
Gebrauch und Mißbrauch statistischer Methodiken gehen Hand in Hand. Die Beziehung ist so eng, daß das Wesen der Statistik mit dem einer Hure verglichen wurde. Das Verhältnis des Menschen zur Statistik ist aber nicht weniger kompliziert ,als die menschliche Natur selbst. 
Richtigerweise muß man feststellen, daß statistische Methoden und Analysen zum besten Rüstzeug gehören, das die Wissenschaft aufzubieten hat. Unzählige Einsichten und Entscheidungen in allen Lebensbereichen verdanken wir der Statistik und ihrer methodischen Entwicklung. Mit der Entwicklung leistungsfähiger und kleiner Rechenmaschinen,wie sie heute jedes Schulkind bedient, war ihr endgültiger Siegeszug vorprogrammiert. Kritische Stimmen, die vor einer Überbewertung warnen, haben es immer schwerer. 

Der seriöse Umgang mit statistischen Aussagen muß einige Voraussetzungen beachten, die nicht so selbstverständlich sind, wie es auf den ersten Blick erscheinen mag:

  • Diejenigen, die sich der Methoden bedienen, müssen ihrer kundig sein. Sie müssen etwas von der Sache verstehen. 
  • Man muß darauf achten, in wessen Händen sich Statistiken und Statistiker befinden. In den Händen hemmungsloser Ehrgeizlinge oder gar unverblümter Betrüger kann jeder segensreiche Ansatz zu einer tödlichen Bedrohung werden. 
  • Ein verhängnisvolles Gemenge bildet die Kombination von Defiziten im Sinne der beiden erstgenannten Punkte.
Besonders problematisch wird die statistische Arbeit immer dann, wenn es gilt, erwartete Kausalzusammenhänge irgendwelcher Art zu untermauern. Wenn bei solchen Erwartungen die Zahlen nicht das ergeben, was der Mensch "erhofft", kann die Analytik zum Kampf, der wissenschaftliche Vorsatz zum Klumpfuß werden. Dem haben die Väter der Statistik die Beweislast-Umkehr entgegengesetzt, die Bürde der sogenannten Nullhypothese, die es zu beachten gilt und die so mancher  mit vielen Tricks zu umgehen versucht. Man hat also zu beweisen, daß die Antithese unrichtig ist und nicht umgekehrt! Begriffe wie "tendenziell signifikant" und ähnliches sind und bleiben daher unseriös.

Ergebnisse aus statistischen Analyse-Verfahren gestatten generell nur mit  Einschränkungen kausale Rückschlüsse. Selbst hochsignifikante Rechenergebnisse können in die Irre führen, wenn z.B. gewichtige statistische Ladungen unberücksichtigt  oder gar unerkannt bleiben. (Zschr.ärztl.Fortbild. 84 (1990) S.563.) 
Es gibt in diesem Zusammenhang hoch interessante historische Beispiele. So  unterlief den Statistikern Adolf Hitlers im 2. Weltkrieg eine verhängnisvolle Fehleinschätzung. Sie empfahlen dem Diktator die Seeblockade Großbritanniens, da sie errechnet hatten, die vom Getreideimport abhängige Insel werde allein aus diesem Grunde in Kürze kapitulieren müssen. Zum Erstaunen führte die Blockade jedoch nicht zu dem erhofften Ergebnis. Wie sich herausstellte, hatten die Berater den Umstand übersehen, daß die Engländer in Friedenszeiten einen bedeutsamen Getreideanteil zu Bier verarbeiteten. Die Einstellung der Ale-Produktion reichte aus, um die Blockade zu überstehen. 

Auch heute gehören Fehler dieser Art zum Alltag, allerdings häufiger  in der Folge charakterlicher Mängel, seltener durch grundsätzliche methodische Unkenntnis. Schockiert hat die Öffentlichkeit vor einiger Zeit die Tatsache eindeutiger wissenschaftlicher Fälschungen in der Grundlagenforschung . An der Tagersordnung sind  Manipulationen mit betrügerischer Absicht in der Para-Medizin und vergleichbaren Bereichen. Fast zu bedauern sind dagegen solche armseligen "Forscher", die ein Ergebnis nicht wahrhaben wollen, weil es in ihr Erwartungsbild nun einmal nicht hineinpaßt. Da müssen die abenteuerlichsten Thesen und Formulierungen herhalten, um die geleistete Denkarbeit zu rechtfertigen. Der bekannte Satz, " Ein negatives Ergebnis ist auch ein Ergebnis", sagt sich leicht, ist aber offensichtlich nur schwer zu ertragen.

Schließlich bleibt das besonders trübe Kapitel statistischer Manipulation im Auftrag der Politik oder in deren vorauseilendem Gehorsam. Hier haben wir in letzter Zeit Beispiele von besonderer Skrupellosigkeit, die deshalb so verabscheuenswürdig sind, weil sie sich mit süffisant vorgetragenen Zahlen primär an  Laien wie den Zeitungsleser (und damit  den Wähler) wenden und dort Wirkung zeigen. Die Zahl politisch und weltanschaulich  manipulierter Analysen und  Ergebnisse ist gewaltig und täglich zu erleben. Da werden in leichtfertigster Weise abenteuerliche Zahlen angeblich unnötig verstorbener Patienten, fälschlich operierter Menschen, durch "Elektrosmog" geschädigter Personen und durch Impfungen geschädigter Kinder in die Welt gesetzt. 
Aus willkürlich interpretierten Zahlen werden so Totschlag-Argumente gezimmert, deren sich ein Gegner nur schwer erwehren kann. Nicht selten, und das ist katastrophal, haben sie den Rückzug der ernstzunehmenden Wissenschaft aus einem Disput zur Folge. Im Zweifelsfall können sich die agierenden  Personen auf diese Weise  mit dem Hinweis aus der Affäre ziehen, sie seien ja keine Wissenschaftler und hätten nur diese oder jene Zahlen berücksichtigt, die ihnen wiederum andere zugespielt hätten. 
Nicht die Statistik als Methode ist zu bemängeln, sondern immer nur diejenigen, die sie falsch anwenden.
-pl-