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Mit einem
Schlußwort unter der nichtssagenden Überschrift "Kooperation
ist Zukunft" antwortete der Präsident des BVKJ Hartmann in der Verbandszeitschrift
"Jugend-und Kinderarzt" auf zwei engagierte Leserbriefe. Beide Kollegen
hatten sich mit guten Argumenten dafür ausgesprochen, die Einzelpraxis
nicht totzureden.
Hartmann erwiderte
klagsam, er könne diese neuerliche Diskussion nicht nachvollziehen
und er erneuerte das sattsam bekannte "modern talking": Alles laufe auf
ein Ende von Einzelpraxen hinaus, da die Politik diese nur noch im Ausnahmefall
dulden werde. Diese Annahme bleibt dann auch das einzige scheinbar stichhaltige
Argument in den Zeilen des Verbandsfürsten. Der Hinweis auf den Sonderfall
Laborgemeinschaft ist ebenso blaß, wie der Bezug auf ärztliche
Not-
und Vertretungsdienste u.a. Natürlich hat es immer Kooperation gegeben
und es wird sie auch künftig überall dort geben, wo Menschen
zusammen leben und arbeiten.
Wenn aber Politiker
diesen Begriff verwenden, dann meinen sie Zentralisierung und Konzentration
mit einem unverkennbar ökonomischen und dirigistischen Hintergrund.
Daß dieser Weg nicht einmal eine Effizienzsteigerung garantiert,
hat Schweden vor einigen Jahren festgestellt. Die skandinavischen Länder
hatten auf einem Kongreß Bilanz hinsichtlich ihrer großflächig
betriebenen Konzentrationsprozesse im Gesundheitswesen gezogen. Diese
Bilanz fiel vernichtend aus: durchgängig zeigte sich, daß alle
Erwartungen bezüglich höherer Effizienz und Kosteneinsparung
Illusion blieben. Diese im stationären Bereich gemachten Erfahrungen
kann man sicher grundsätzlich auch auf die ambulante Medizin beziehen,
und man möchte sie unseren Patienten ersparen.
Auch mir erschließt
sich zum Beispiel der Sinn von Praxisnetzen "bislang nur auf dem Papier".
Kooperation,
Qualitätsmanagement, elektronischer Datentransfer usw., das sind einige
der gängigen Schlagworte, mit denen geworben wird, und schnell fühlt
man sich unangefochten auf der Seite des Fortschritts. Schon wird der Ruf
nach den Polikliniken à la DDR laut. Wer dieses Kapitel kennt, sieht
manches realistischer.
Wenn aber Hartmann
nicht zu Unrecht die Zukunft unseres Fachgebietes im Sog moderner Entwicklungen
gefährdet sieht, dann ist dies nicht die Folge mangelnder Kooperationsfähigkeit
unserer Kollegen. Sollten die Einzelpraxen künftig tatsächlich
wirtschaftlich scheitern, dann bestimmt nicht deshalb, weil Arbeitsqualität,
Engagement oder die Patientenzuwendung bei ihnen schlechter zu bewerten
sind. Weite Teile dieser kritischen Entwicklung sind schlicht und einfach
hausgemacht.
Es ist bedauerlich,
daß unser Berufsverband nun vor den aktuellen partei-politischen
Forderungen mit weißer Fahne eingeknickt und offensichtlich nur noch
um Konsens bemüht ist. Ein wenig vom Mut, der Weitsicht und Offenheit
des BÄK-Präsidenten Hoppe hätte uns besser getan und gut
zu Gesicht gestanden.
-pl- 21.05.04