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Schlechte Karten 
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Erinnert sich noch jemand an die vollmundigen Ankündigungen, mit denen bereits 2001 für die zügige Entwicklung einer elektronischen Patientenkarte geworben wurde? Man wagte kaum ein Fragezeichen hinter diese omnipotenten Vorstellungen zu setzen:
Ein Rezept sei künftig natürlich nur noch elektronisch vorstellbar. Alles was den Patienten beträfe, frühere Befunde, Röntgenbilder, Krankenhaus-Epikrisen, jede Art vorhandener Gesundheitsrisiken und persönlicher Verfügungen, all das sei dann zum Wohl des Patienten und zur Freude des Arztes elektronisch abrufbar. Doppeluntersuchungen und Fehlverordnungen gehörten endlich der Vergangenheit an. 
Im Verein mit der zugehörigen Arzt-Card breche eine neue Ära innerärztlicher Kommunikation an. Auch der letzte Depp wurde darüber belehrt, daß  "jeder Tag ohne Telematik das Gesundheitswesen 13,7 Millionen Euro koste". Allein die Einsparungen durch Verhinderung von Chipkartenmißbrauch wurden locker mit 2 Milliarden Euro jährlich veranschlagt.

Nun erfolgte vor wenigen Tagen eine bemerkenswerte Zäsur in diesem gemeinsamen Walking von IT-Branche und Gesundheitspolitik. In harmonischer Zweisamkeit erklärten Frau Schmidt und Herr Seehofer, kein Mensch habe an eine übereilte oder gar plötzliche Einführung dieser Karte gedacht. Sozusagen schlückchenweise würden die Segnungen der Elektronik unter die Menschen gebracht. 

Plötzlich scheint es Zeit für eine Vollbremsung. Die seit langem und von vielen Seiten geäußerten Bedenken hinsichtlich der Dringlichkeit und Kosten des Projekts schlagen möglicherweise zu Buche. Auch die Kollegen der Chipkarten- Modellregion Trier dürften angesichts der "Versuchskosten" von 800 Euro pro Arzt ins Grübeln kommen. 

Vor allem aber will die Regierung in der zweiten Hälfte der Legislaturperiode keine weiteren Risiken eingehen.
Nichts wäre in einer Phase zarter politischer Stabilisierung  unerwünschter, als ein zweites "Toll-collect-Syndrom" im bröckligen Gelände der Reformversuche

Immerhin, man möchte Beifall klatschen zu der späten Erkenntnis, daß die Verheißungen des von Ehrgeiz getriebenen Projekts trügerisch sind. Wenn da nicht der Wehrmutstropfen wäre: 

Gelder von über einer Milliarden Euro werden dafür in den Sand gesetzt, und die Auftragnehmer werden für fristgerechte Abbuchungen sorgen. Angesichts der Tatsache, daß behinderten Heimbewohnern von ihren kärglichen 90 Euro Taschengeld gewissenlos die Praxisgebühr und weitere Zuzahlungen abgefordert werden, sind solche Ausgaben schamlos!

28.09.2004 -pl-