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Elektronisches Rezept und Karten-Schnickschnack . |
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Das "elektronische Rezept" ist zum gegenwärtigen Lieblingsspielplatz einer Telematik-besessenen Avandgarde geworden. Mit anrührenden Sandkasten-Szenarien für Ärzte und Patienten, für Alt und Jung versucht man die Funktionalität bisheriger Versuchsanordnungen allen Beteiligten nahe zu bringen. Na und? Keiner zweifelt ernsthaft daran, daß es mit einem enormen finanziellen Aufwand von über einer Milliarde Euro technisch möglich sein wird, das Papierrezept durch ein elektronisches zu ersetzen. Dies könnte uns Ärzten im Grunde genommen völlig gleichgültig sein. Der behauptete Nutzen allerdings ist keinem unverblendeten und praxiserfahrenen Kollegen einzureden. Was da etwa von angeblichem Sicherheitsgewinn für Arzt und Patienten geschwafelt wird, ist abenteuerlich und bestenfalls für einen rezeptierenden Heilgehilfen zutreffend. Nein, es dürfte Regierung und Kassen vielmehr um die totale Kontrolle der Kostenverteilung auf breitester Ebene gehen mit dem Ziel, noch besserer Knebelketten für das ärztliche Verordnungsverhalten in die Hände zu bekommen. Schließlich werden vermehrt Gelder für einen immer steigenden Bürokratieaufwand, parastaatliche Neubildungen in Form von Instituten und Stiftungen, Bonusprogramme, Präventionsgesetz und andere Luftnummern benötigt. Um weitere Funktionen der
künftigen Gesundheits- oder Patientenkarte ist es vorerst stiller
geworden, nachdem vor einem zweiten "Toll-collect-Syndrom" gewarnt wurde.
Ungeachtet dessen bläst die IT-Branche zum Sturm. Das große
Geschäft mit der Telematik im Gesundheitswesen muß aus ihrer
Sicht jetzt unter Dach und Fach gebracht werden. Und so werden denn alle
Register gezogen, derer die IT- Industrie habhaft wird. Verkauft wird die
künftige Chip-Karte wie ein Allheilmittel: Jeder
Tag ohne Telematik koste das Gesundheitswesen 13,7 Millionen Euro,
heißt es forsch. "Kosten senken, Qualität steigern, Effizienz
verbessern" - so lauten die Attribute, mit denen die Branche die Kartenkommunikation
belegt. Das Selbstbestimmungsrecht der Patienten werde gestärkt, datenschutzrechtliche
Bedenken seien gegenstandslos. Allein die Einsparungen durch Verhinderung
von Chipkartenmißbrauch werden locker mit 2 Milliarden Euro jährlich
veranschlagt.
-pl 2005-
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