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Arztbriefe online, und was noch ? 
.Elektronische Patientenakte, e-Mail-Verkehr für Epikrisen, neue Verschlüsselungs- und Zugangstechniken, digitale Signatur und elektronische Arzt-Card, sowie Zugänge zu Internet und Intranets werden  angeboten. Worauf  sollte sich der niedergelassene Arzt  zur Zeit einlassen? Schon werden die Preisschilder  auf die ersten Arzt-Cards und ihre neuen Einlesegeräte geklebt. 

Keine Frage: es lohnt sich, das Internet mit seinen großen Möglichkeiten der Information und Kommunikation zu nutzen.  Zugang und Nutzung sind heutzutage bei vernünftiger Handhabung ausgesprochen preiswert . Der Markt ist in Bewegung. Die Provider haben sich von überhöhten Preisen längst verabschiedet. Aber,  was den Rest angeht: Vorsicht!
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.Die eigene Homepage ist eine schöne Sache. Keiner sollte aber glauben, daß die Internet-Präsens sich positiv auf die Wirtschaftsprobleme der Arztpraxis auswirken würde. Eine Patientenbindung nimmt praktisch nie über das Net ihren Anfang! Die eigene Page sollte Hobby sein. Wer an gestalterischer Arbeit Spaß hat, kann sich mit kostenlosen Hilfen schnell eine Site selbst bauen und ebenso kostenlos ins Web stellen. Lassen Sie sich kein Geld für diesbezügliche Angebote abknöpfen.
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Wir Ärzte haben, wenn wir einmal von den ehrgeizigen Plänen einiger Netzwerkfanatiker absehen, auch keinerlei dringlichen Eigenbedarf, nicht anonymisierte Patientendaten in das Netz zu jagen oder den Arztbrief per e-Mail zu versenden und zu empfangen. Für die Übermittlung etwa einer Krankenhaus-Epikrise, deren Erstellung zwei Wochen oder länger dauerte, macht  der Zeitgewinn eines Tages gegenüber der Normalpost keinen Sinn.  Und Mängel in der Kommunikation beruhen in erster Linie auf menschlichem Versagen, nur selten auf technischen Defiziten ! Wer uns bisher nicht per Telefon über wichtige Dinge informierte, wird es auch künftig nicht mit einer eMail tun! Da, wo Kontakte gut eingespielt sind, kann die eMail allerdings ein großer Gewinn sein.
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Für den Praxisrechner sollte weiterhin eisern gelten: mit dieser Maschine nicht online gehen. Man soll zwar die Sorge vor einem Virusbefall des  Rechners nicht dramatisieren; aber kein Antivirusprogramm kann Ihnen einen 100%igen Schutz garantieren. Außerdem sind im Online-Betrieb  Systemabstürze nicht selten. Selbst unter Window 2000 und  in einem geschlossenen Netz  sind Sie nicht völlig sicher. Schotten Sie also  Ihren Praxisrechner gegen jeden unnötigen Online-Zugriff ab. Denken Sie an die nächste KV-Abrechnung !
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Die traditionellen Formen der Kommunikation sind  im übrigen  so schlecht nicht, daß ab morgen nur noch der lückenlose elektronische Datenzugriff eine optimale Patientenbetreuung gewährleistet. Im Gegenteil: die Pannen der neuen technologischen Verheißungen sind natürlich ebenfalls vorprogrammiert: Wie oft wird man die neue PIN-Nummer oder ähnliches vergessen oder die Arztcard in einer anderen Jacke liegen haben?

Wer sich z.B. tatsächlich auf eine volle Elektronisierung seiner Patientendaten einläßt, sollte auch über die Risiken nachdenken. Da stehen die digitale Signatur und Codierung im Mittelpunkt künftiger Bewunderung, und man sagt uns, daß damit juristische Fallstricke weitgehend beseitigt seien. Fremdeingriffen und Manipulationen  sei damit ein Riegel vorgeschoben. Für den Staatsanwalt jedoch schlägt im Streitfall eine ganz andere  Frage zu Buche: Sind nachträgliche Manipulationen an den Patientendaten durch den Zugangsberechtigten selbst auszuschließen? Auch für die Lösung dieser Frage gibt es inzwischen zwar Software- Lösungen. Die aber sind in der Medizin weitgehend ungenutzt  und würden uns alle vor neue Ausgaben stellen. Zur Zeit ist für den Juristen jedenfalls das gute alte Papier immer noch  mehr wert, als eine digitale Signatur, wenn es z.B. um Haftpflichtansprüche geht. Also Hände weg von neuen Ausgaben. Wenn unsere Geld- oder Gesetzesgeber neuen Handlungsbedarf sehen, dann bitte zu deren Lasten und Risiken. 
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Bedenken Sie auch:  Machbar ist vieles - notwendig nur einiges! Was in abgelegenen Gebieten Norwegens notwendig ist, muß nicht in Deutschland sinnvoll sein. Ihr Arbeitsalltag wird sich weiterhin vorrangig in der Praxis und nicht auf  Videokonferenzen abspielen. Die Übermittlung von Online-Bildern mag elegant sein - mehr aber auch nicht. Warten Sie die Entwicklung ab.
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Es gibt Ausnahmen von der Regel: So zeichnen sich zum Beispiel für Belegärzte unverzichtbare elektronische Kommunikationssysteme ab, die z.B. eine schnelle Datenübermittlung zwischen Praxis und Krankenhaus ermöglichen.
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Lassen Sie sich auch nicht von dem Argument beeindrucken, der Arzt benötige wegen der Sensibilität seiner Daten im fachlichen Bereich vorwiegend geschlossene Systeme, sog. Intranets (z.B.: DGN, MVB, Medical Network ). Wie gesagt: für uns Ärzte  besteht eigentlich nur ein sehr eingeschränktes Bedürfnis,  unsere Aktivitäten im Net für andere unzugänglich zu machen. Wenn z.B. die Pharmaindustrie  einer gesetzlichen Vorschrift folgend den Einblick zu ärztlichen Informationen nur über codierte Zugänge möglich machen darf, dann verzichten Sie auf einen solchen Zugang. Die Pharmainfos kommen ohnehin in Ihre Praxis geflattert. Alles was sonst noch geboten wird, finden Sie meist kostenlos im Internet. Ich habe den Eindruck, daß vieles  nur dem ärztlichen Bedürfnis nach Exklusivität Rechnung tragen soll. Sogenannte "Expertenzugänge" sind meist nicht ihr Geld wert. Aber sie dienen als Köder irgendwann doch einmal für Geld mit Ihnen ins Geschäft zu kommen. Natürlich gibt es Bereiche der Medizin, deren Zugang geschützt sein müssen. Viel wichtiger ist aber eine andere Aussage:
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Wenn das Net einen Wert für uns Mediziner hat, dann ist es die frei verfügbare, schnelle Information und offene Kommunikation. Alles was dem entgegen steht, mindert diesen Wert.

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© Dr.Peter Langer, 1998