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Zielgruppe Ärzteschaft Berichte und Studien Nr.54 von Franceska Weil Ärzte als inoffizielle Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit Vandenhoeck & Ruprecht 2008 Göttingen . |
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Das Buch von Franceska Weil wirkt der allgemeinen Tendenz entgegen, die post-nationalsozialistische Zeit in einem versöhnlichen Licht erscheinen zu lassen, die DDR bestenfalls als eine Light-Diktatur mit kurzer Bestandsdauer abzuhaken. Das Interesse an historischen Wahrnehmungen dieser Zeit nimmt spürbar ab, auch sprachlich verlässt man zunehmend eine klare Diktion. Verbliebene Netzwerke des Staatssicherheitsdienstes treten zunehmend aggressiv im In- und Ausland auf, um die eigene Tätigkeit und das vertretene System zu rechtfertigen. Während „die Nazis Leichenberge produzierten, wären es bei der Stasi nur Aktenberge“ gewesen, so der perfide Satz eines Kollegen unserer Zeit. Der Blick auf die Massengräber des Stalinismus und in die Stasi-Gefängnisse lehrt etwas anderes und verbietet es, die Verbrechen der zweiten Diktatur durch semantische Attitüden zu verschleiern. Es war also hohe Zeit, die Stasi-Akten auch aus dem Ärztebereich professionell aufzuarbeiten und die Ergebnisse dieser Recherchen vorzustellen. Dies ist der Leipziger Historikerin Franceska Weil hervorragend gelungen. Sie weist in der Arbeit mit einer bestechend klaren Gliederung, einem detaillierten Quellenstudium und persönlicher Interviews nach, mit welchen Lebensläufen, Beweggründen und Folgen sich Ärzte in eine Spitzeltätigkeit für das MfS einbinden ließen. Es sind die seit langem bekannten Methoden totalitärer Systeme, ihre politische Macht auch unter Benutzung gefügig gemachter Mitmenschen abzusichern. Alle Täter haben die mögliche oder reale
Schädigung ihrer Opfer billigend ins Kalkül gezogen und hatten
in der Regel keine Kenntnis von den Folgen ihrer Tätigkeit. Die Vermeidung
von Klarnamen ist zu begrüßen und dient der Versachlichung dieses
emotional beladenen Themas.
Wie flexibel autoritäre Sicherheitsapparate sind, zeigt die Autorin mit dem Hinweis auf die Selbstauflösung des „Zentralen Runden Tisches“ 1990 mit der Umwidmung des MfS in das „Amt für Nationale Sicherheit“ und die damit verbundene Möglichkeit einer weitgehenden Vernichtung der eigenen Akten. Die historische Dimension des Buches wird spätestens bei den Rückgriffen auf die Anfänge der MfS-Berichte durch IM mit nationalsozialistischer Vergangenheit deutlich. Hier bestand ein berechtigtes Interesse, die mögliche Verquickung prominenter DDR-Ärzte in NS-Verbrechen aufzuklären, so die Mittäterschaft im Rahmen des sog. „Euthanasie-Programms“. Da es sich um einen befähigten und beliebten Oberarzt der Leipziger Kinderklinik unter Peiper handelte, wurde hier im Sinne einer Schadens- Minimierung entschieden, allerdings eine Versetzung und ein Lehrverbot des habilitierten Pädiaters verfügt. Das Buch fügt sich hervorragend in bereits bestehende Publikationen ein und bereichert durch eine Fülle neuer Details und die Prägnanz der Darstellung. Es sollte zur Pflichtlektüre politisch interessierter Ärzte gehören. Weitere Links: Stasi im Gesundheitswesen der DDR Referiert Dr.P. Langer (13.12.07)
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