| paednet.de | | code | disclaimer | home | | www.PLanger.de |
| Jod und Schilddrüse |
|
Eine besorgte Mutter zeigte mir vor einiger Zeit einen Zeitungsausschnitt, in dem auf die Notwendigkeit zusätzlicher Jodeinnahmen während der Stillzeit hingewiesen wurde. Es heißt in dieser Mitteilung, daß gestillte Säuglinge sonst leicht „in einen gefährlichen Jod mangel geraten können, der zu körperlichen und geistigen Entwicklungsrückständen führe“. Natürlich war die stillende Mutter zurecht verängstigt, da sie sich bisher „nur“ normal ernährt hatte. Was ist an dieser Mitteilung dran ? In dieser Form sind die Aussagen nicht
richtig. Richtig ist, daß Deutschland insgesamt zu den sogenannten
Jodmangelländern gehört, und deshalb generell auf eine „Jod-
bewußte“ Ernährung geachtet werden sollte. Dies kann u.a. durch
die generelle Verwendung jodierten Salzes zur Speisenbereitung
geschehen. Richtig ist auch, daß diese Überlegung besonders
während der Schwangerschaft und Stillzeit zutrifft, da das werdende
und neugeborene Kind seinen Jodbedarf dann nur über die Mutter decken
kann.
Jod ist der wichtigste Baustein für das Schilddrüsenhormon. Dieses wiederum ist von überragender Bedeutung für die geistige und körperlicher Entwicklung. Angeborene und erworbene Mangelzustände an Hormon, sog. Hypothyreosen, sind deshalb gefürchtet. Derartige gefährliche Situationen entstehen aber nicht durch einen leichten Jodmangel der Nahrung, sondern fast immer durch angeborene Fehlentwicklung der kindlichen Schilddrüse selbst. In diesen Fällen ist auch kein Höchstangebot von Jod in der Lage, dem Kind Hilfe zu bringen, da eine Weiterverarbetung zum Hormon nicht möglich ist. Nur die kontinuierliche Gabe von Schilddrüsenhormon ermöglicht eine normale Entwicklung des Kindes. Eine solche Behandlung muß bei diesen
Kindern so früh wie möglich, also in den ersten Lebenstagen beginnen.
Erfreulicherweise gibt es heute eine zuverlässige Methode, den sog.
TSH-Test , um alle Neugeborenen auf die Funktionsfähigkeit ihrer
Schilddrüse zu untersuchen und eine evtl. nötige Behandlung rechtzeitig
zu beginnen. Für die besonders Interessierten unter Ihnen sei
erwähnt, daß sich dieser Test die sehr empfindliche Reaktion
eines übergeordneten Regelorgans, der Hirnanhangsdrüse,
zu Nutze macht.
|