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Jod und Schilddrüse 

Eine besorgte Mutter zeigte mir vor einiger Zeit  einen Zeitungsausschnitt, in dem auf die Notwendigkeit zusätzlicher Jodeinnahmen während der Stillzeit hingewiesen wurde. Es heißt in dieser Mitteilung, daß gestillte Säuglinge sonst leicht „in einen gefährlichen Jod mangel geraten können, der zu körperlichen und geistigen Entwicklungsrückständen führe“. Natürlich war die stillende Mutter zurecht verängstigt, da sie sich bisher „nur“ normal ernährt hatte. Was ist an dieser Mitteilung dran ? 

In dieser Form sind die Aussagen nicht richtig. Richtig ist, daß Deutschland insgesamt zu den sogenannten Jodmangelländern gehört, und deshalb generell auf eine „Jod- bewußte“ Ernährung geachtet werden sollte. Dies kann u.a. durch die generelle  Verwendung jodierten Salzes zur  Speisenbereitung geschehen. Richtig ist auch, daß diese Überlegung besonders während der Schwangerschaft und Stillzeit zutrifft, da das werdende und neugeborene Kind seinen Jodbedarf dann nur über die Mutter decken kann. 
Unter Umständen kann es deshalb sinnvoll sein, Jod auch  vorübergehend in Tablettenform zusätzlich einzunehmen. Geistige und körperliche    Entwicklungsstörungen des Kindes sind allerdings nur bei einem extremen und anhaltenden Jodmangel der Mutter während der Schwangerschaft zu befürchten, wie er bei normaler Ernährung nicht eintreten kann ! Keine stillende Mutter, die bisher auf die zusätzliche Einnahme von  Jod verzichtet hat, muß sich also Vorwürfe oder Ängste bereiten, sie habe sich  an möglichen Entwicklungsschäden ihres Kindes schuldig gemacht!

Jod ist der wichtigste Baustein für das Schilddrüsenhormon. Dieses wiederum ist  von  überragender Bedeutung für die geistige und körperlicher Entwicklung. Angeborene  und erworbene Mangelzustände an Hormon, sog. Hypothyreosen, sind deshalb gefürchtet. Derartige gefährliche Situationen entstehen aber nicht durch einen leichten Jodmangel der Nahrung, sondern fast immer  durch angeborene  Fehlentwicklung der kindlichen Schilddrüse selbst. In diesen Fällen ist auch kein  Höchstangebot von Jod in der Lage, dem Kind Hilfe zu bringen, da eine   Weiterverarbetung zum Hormon nicht möglich ist. Nur die kontinuierliche Gabe von  Schilddrüsenhormon  ermöglicht eine normale Entwicklung des Kindes. 

Eine solche Behandlung muß bei diesen Kindern so früh wie möglich, also in den ersten Lebenstagen beginnen. Erfreulicherweise gibt es heute eine zuverlässige Methode, den sog. TSH-Test , um alle Neugeborenen auf die Funktionsfähigkeit ihrer  Schilddrüse zu untersuchen und eine evtl. nötige Behandlung rechtzeitig zu  beginnen. Für die besonders Interessierten unter Ihnen sei erwähnt, daß sich dieser Test die sehr empfindliche Reaktion eines übergeordneten Regelorgans,  der Hirnanhangsdrüse, zu Nutze macht. 
Eine weitere Problemzeit kann die Pubertät darstellen, in der besonders auf Funktionsstörungen der Schilddrüse zu achten ist. Die Vorsorgeuntersuchung "J1" ist eine besonders günstige Gelegenheit, auf derartige Störungen aufmerksam zu  werden.