ForumLinksCameraSuchindexeMailPraxisinfoTippsKollegenhome
paednet.de  | adinfo  |   code   |  disclaimer | home  | www.PLanger.de
.
Schlafprobleme 
..
.
    Der Schlaf unserer Kinder gehört zu den besonders schutzbedürftigen Dingen des Lebens. Er ist eine natürliche Erholungsphase für Körper und Geist, ohne die der Mensch nach kurzer Zeit handlungsunfähig und krank wird. Auch ein Kind wirkt nach unzureichendem Schlaf angespannt und nervös. Andererseits ist der Mensch im Schlaf schutzlos und angreifbar. Lebensbedrohliche Zustände während des Schlafes wie Atemstörungen mit ihren großen Gefahren sind inzwischen allgemein bekannt. 

    Der Schlaf ist keineswegs ein  passives Abschalten, sondern eine sehr aktive Lebensphase, in der Eindrücke und Erlebnisse des Tages verarbeitet werden –  auch schon von Babys. Außerdem wird während der Nacht vermehrt Wachstumshormon produziert. 

    Wie lange sollte ein Kind täglich schlafen?

    Bereits bei Neugeborenen ist das Schlafbedürfnis sehr unterschiedlich. Sie können bis zu sechzehn Stunden täglich schlafen. Sie erwachen anfangs alle zwei bis drei Stunden, um zu trinken. Die einzelnen Schlafperioden sind noch relativ kurz, die Gesamtschlafzeit aber lang. Erst langsam verlängern sich die einzelnen Schlafperioden. Speziell in den ersten drei Lebensmonaten haben die Kinder noch keinen ausgereiften Schlafrhythmus, sondern die Schlafphasen werden von den aktuellen Lebensbedürfnissen des Babys geprägt. Es kann dadurch zu einem sehr unruhigen Tagesablauf kommen, an den sich vor allem junge Eltern zunächst einmal gewöhnen müssen. Der Zeitpunkt des nächtlichen Durchschlafens hängt unter anderem davon ab, wie rasch dieser Reifungsprozess abläuft. Weder mit „Schreien-Lassen“ , vermehrter Nahrungszufuhr, erst recht nicht mit  Medikamenten kann dieser Prozess beschleunigt werden.

    Kleinkinder im  Alter bis zu fünf Jahren schlafen in der Regel elf bis zwölf Stunden pro Tag. Davon wird ein Teil auf ein bis zwei Tagesschlafzeiten abgezweigt. Je mehr ein Kind tagsüber schläft,  umso weniger schläft es nachts und umgekehrt. Schläft Ihr Kind etwa ein bis zwei Stunden weniger als der Durchschnitt, ist aber sonst gesund, dann sollten Sie sich keine Sorgen machen. Beachten Sie auch, dass Angaben in Büchern meist die Gesamtschlafzeit betreffen.

    Der Schlaf verläuft nicht gleichmäßig, sondern in charakteristischen Phasen. Die ersten zwei bis drei Stunden sind die Zeit größter Schlaftiefe. Während dieser Phase haben viele Kinder einen völlig harmlosen, die Eltern aber häufig mit Sorge erfüllenden Schweißausbruch.  In der restlichen Nacht wechselt die Schlaftiefe in einem ständigen Auf und Ab. Diese sogenannte  REM-Phase (Rapid-Eye-Movement, eine Phase schneller Augenbewegungen bei geschlossenen Lidern) ist auch die Zeit der Träume. Während der Zeiten flachen Schlafes wachen die Kinder mehrfach beinahe auf, schlafen aber normalerweise problemlos wieder ein. Angst oder andere Befindlichkeiten können diesen normalen Schlafablauf aber erheblich stören. Es ist also nicht leicht, die tatsächliche Schlafdauer exakt zu bestimmen. Das Führen eines Schlafprotokolls kann hier weiterhelfen. Vergleichen Sie auch die Schlafgewohnheiten Ihres Kindes mit denen naher Verwandter. Familiäre Ähnlichkeiten können auf erbliche Besonderheiten hinweisen. 

    Unterbrechungen und Störungen:

    Im Alter von fünf bis sechs Monaten ist in der Regel keine Nachtmahlzeit mehr nötig. Viele Säuglinge möchten jedoch besonders gerne nachts gestillt werden. Wenn Ihr Kind dieses Alter erreicht hat und Sie nachts nicht mehr stillen möchten, kann folgendes Vorgehen hilfreich sein:
     

    • Machen Sie kein helles Licht an.
    • Spielen und schmusen Sie nachts nicht mit Ihrem Kind. 
    • Sprechen Sie nachts so wenig wie möglich mit ihm.
    • Erledigen Sie das notwendige Wickeln mit möglichst geringem Aufwand. 


    Das heißt nicht, dass man ein Kind schreien lassen soll. Ein schreiendes Kind braucht seine Eltern. Allein ihre Anwesenheit vermittelt ihm Geborgenheit. Oft reichen ein paar Streicheleinheiten zur Beruhigung. Ein weinendes Kind braucht die Gewissheit, dass es nicht allein ist. Andererseits bedeutet Schreien nicht, dass Ihr Kind zwangsläufig etwas zu trinken braucht oder unterhalten werden muss. Gehen Sie möglichst sicher, dass Ihr Baby nicht erkrankt ist oder Schmerzen hat. Im Zweifelsfall sollten Sie zunächst die Körpertemperatur messen. Normale Körpertemperatur garantiert zwar keine Gesundheit, aber bei Fieber ist eine Erkrankung so gut wie sicher. Aufmerksame Eltern können aus der Art des Schreiens Rückschlüsse auf die Ursache ziehen. Während der junge Säugling  noch sehr undifferenziert schreit, zeigt das etwas ältere Kind schon sehr unterschiedlich Wimmern, Meckern, Jammern oder Quengeln. Junge Eltern müssen erst lernen, diese Rufe richtig zu deuten und entsprechend zu reagieren. 

    Wie verhalte ich mich, wenn das Kind schreit?
     

    • Nicht nervös werden, wenn das Kind zu schreien beginnt. Unruhe und Hektik übertragen sich schnell auf das Baby und sorgen für zusätzliche Beunruhigung.
    • Kann das Kind Hunger oder eine volle Windel haben? Ist die verabreichte Nahrung noch altersgerecht? Verfallen Sie nicht in den Fehler, zwischendurch Tee oder gar Saft zu füttern,  um so Ihr Kind zu beruhigen. Solange der Säugling nur gestillt wird oder die Flasche bekommt, besteht keine Veranlassung, zusätzlich Flüssigkeit zu geben. Das Kind nimmt dadurch weniger Nahrung zu sich. Mit ein wenig Wasser können Sie allenfalls prüfen, ob Ihr Kind wirklich Durst hat. Eine Ausnahme bilden natürlich fiebernde Kinder oder eine überhitzte Umgebung, dann kann die zusätzliche Flüssigkeitsgabe notwendig werden. 
    • Ist die Umgebung zu warm oder kalt? Eine Überwärmung können Sie orientierend erkennen, wenn Sie zwei Finger an den Nacken des Kindes halten. Hitze oder Schweißbildung dort an der Haut kann auf eine Überwärmung hindeuten. Klarheit verschafft das Fiebermessen. Die Zimmertemperatur sollte 21 Grad nicht übersteigen.
    • Hat das Kind Blähungen und Bauchschmerzen? Besonders in den ersten drei Lebensmonaten kann es zu häufigeren Blähungen kommen. Schreien mit angezogenen Beinen und ein gespannter Leib sprechen für solche Beschwerden. Ursache ist oft, dass ein Säugling beim Trinken zuviel Luft verschluckt. Begünstigt wird dies u.a. durch zu heftiges Schütteln der Flasche bei der Zubereitung oder beim Erwärmen der Nahrung. Es kommt dabei leicht zur  Schaumbildung. Wir empfehlen deshalb eher das Schwenken der Flaschen. Auch ein zu großes Saugerloch kann das Luftschlucken fördern. Zum Aufstoßen müssen ausreichende Pausen eingehalten werden. Nehmen Sie Ihr Kind, wenn es weiter schreit,  zunächst auf den Arm. Streicheln, leichtes Schaukeln oder Wiegen, Summen und Singen führen oft zur Beruhigung.
    • Viele Eltern führen ein unleidiges Verhalten ihres Kindes voreilig auf die Zahnung zurück. Starke Zahnschmerzen sind aber dabei die absolute Ausnahme. Bei zusätzlichem Fieber ist eine Zahnung als Ursache nächtlicher Unruhe meist auszuschließen und eine echte Erkrankung anzunehmen. 
    • Schließlich ist daran zu denken, dass fast alle Babys zu quengeln oder schreien anfangen, wenn sie müde sind. Sie wissen noch nicht, was Schlafen bedeutet und empfinden daher Müdigkeit gelegentlich als ein unangenehmes Gefühl, dass sie noch nicht einordnen können. 


    Das nachtaktive Kind

    Oftmals werden Kinder unbeabsichtigt zu nachtaktiven Geschöpfen erzogen. Andere neigen von Natur aus dazu. Eine „Umgewöhnung“ kann sehr mühsam sein, und sie gelingt nur, wenn die Eltern streng gemeinsam handeln.  Wählen Sie dafür einen günstigen Zeitraum, etwa den Urlaub. Ist Ihr Kind vier bis sechs Monate alt, dann gelingt die „Korrektur“ meist  in einer Woche. Ist es älter, kann die Umgewöhnung zwei bis drei Wochen dauern.  Sie sollten sich gut vorbereiten, um nicht bereits nach der ersten Nacht aufzugeben. Sprechen Sie als Eltern miteinander ab, wie Sie die Sache im Detail angehen wollen. Gehen Sie gleichzeitig mit Ihrem Kind zu Bett, um selbst genügend Ruhe zu bekommen. Versuchen Sie, wenn das Baby erwacht, mit den kleinstmöglichen Mitteln auszukommen: Streicheln Sie Ihr Kind, geben Sie den Schnuller und decken Sie es gut zu. Wenn das Baby erneut oder weiter unruhig ist, dann warten Sie fünf bis sieben Minuten ab, bevor Sie wieder zu ihm gehen. Sollte dies nicht helfen, dann wickeln Sie es. Machen Sie jedoch kein helles Licht und reden Sie nicht mit ihm. Gestalten Sie die Nacht für Ihr Kind so ruhig und uninteressant wie möglich. Lassen Sie das Kind erneut für fünf bis sieben Minuten alleine und wiederholen Sie das geschilderte Vorgehen. Tritt keine Ruhe ein, dann bieten Sie ein wenig Wasser an. Damit signalisieren Sie Ihrem Baby, dass es nachts nichts zu essen gibt und es gibt Ihnen Gewissheit, dass Ihr Kind nicht durstig ist. Auf keinen Fall dürfen Sie die Flasche neben das Kind ins Bett legen.  Dies ist ausgesprochen gefährlich! Übrigens kann auch das Rauchen in der Wohnung zu kindlichen Schlafstörungen führen. 

    Ein besonderes Problem ist das Schlafen im Bett der Eltern. Natürlich fühlt sich ein Kind in ihrer Nähe am wohlsten. Hier findet es Wärme, Geborgenheit und Nähe. Aber dieser Schlaf kann für das Kind gefährlich werden. Abgesehen davon ist es eine tiefgreifende Entscheidung, ob Eltern das Kind bei sich im Bett schlafen lassen wollen. Über die Konsequenzen sollte man sich vorher gründlich aussprechen. Hat sich das Kind erst einmal an diese von ihm erwünschte Nähe gewöhnt, kann es sehr schwer werden, diese Entscheidung rückgängig zu machen. Nicht selten sind Ehekrisen  das Ergebnis einer solchen Schlafgemeinschaft. Ein Kompromiss kann sich anbieten, indem  Sie das Kinderbett direkt neben Ihr Bett stellen. So hat das Kind die Eltern in greifbarer Nähe. Wie Sie sich auch entscheiden: Tun Sie nur das, was Sie und Ihr Partner wirklich wollen. Was „man“ meint, muss nicht das beste für die eigene Familie sein. Einige Kinder schlafen tatsächlich erst mit etwa anderthalb Jahren eine ganze Nacht durch, ganz egal, was die Eltern ausprobieren.

    Tipps zur Gewöhnung an das eigene Bett
     

    • Verbinden Sie das Ins-Bett-Bringen mit etwas Angenehmen wie vorherigem Baden, leisem Singen oder Massieren.
    • Bringen Sie Ihr Kind ins Bett, bevor es buchstäblich vor Müdigkeit umfällt. Gönnen Sie ihm eine Art „Ausklingphase“ im Bett. Den Einschlafzeitpunkt können Sie ohnehin nicht erzwingen. 
    • Bringen Sie Ihr Kind nie „als Bestrafung“ oder im Zorn ins Bett. Damit wird der Schlaf insgesamt zur gefürchteten Strafsache.
    • Halten Sie feste Bettzeiten ein.
    • Löschen Sie das Licht oder dämpfen Sie es beim Zubettgehen.
    • Dämpfen Sie auch das Aktivitätsniveau der Familie, vor allem den allgemeinen Geräuschpegel. 
    • Ist Ihr Kind nachts unglücklich, dann bleiben Sie in seiner Nähe, nehmen es aber nicht hoch. Ein weinendes Kind soll stets getröstet, nie beschimpft oder geschüttelt werden. Durch heftiges Schütteln kann Ihr Kind lebensbedrohlich verletzt werden. Lassen Sie es sich nicht in den Schlaf weinen. Kummer ist ein schlechter „Schlafmann“.


    Der Sonderfall "Schreibaby"

    Nach Untersuchungen von Prof. Linderkamp sind etwa 20 Prozent aller Säuglinge Schreibabys: Sie haben bereits unter dem dritten Lebensmonat Schreiattacken, die länger als drei Stunden täglich dauern, mindestens an drei Tagen in der Woche auftreten und das Kind zeigt insgesamt länger als drei Wochen diese Auffälligkeit. Bei 90 Prozent dieser Schreihälse sind keinerlei organische Leiden zu finden. Sie sind sensibel, unruhig, leicht zu irritieren und schwer zu beruhigen. Einige von ihnen sind später hyperaktiv und neigen auch weiterhin zu  Schlafproblemen. Das Schreien hat nichts mit komplizierten Eltern zu tun, aber das Gebrüll kann die Beziehung belasten. Eltern verlieren das Selbstvertrauen, entwickeln Schuldgefühle. Häufig werden diese Kinder abgelehnt. So betroffene Eltern sollten professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. An fast allen großen Kinderkliniken gibt es inzwischen Spezialsprechstunden. Außerdem bieten Selbsthilfegruppen und Foren im Internet Hilfe an, z.B. www.trostreich.de, www.elternimnetz.de