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Der Konsumgüterhersteller Procter & Gamble nimmt Wick Baby Balsam europaweit vom Markt. Die Erkältungsbabypflege enthält ätherische Öle von Eukalyptus und Lavendel. Ausgelöst worden ist die Rücknahme durch die französische Gesundheitsbehörde. Der Behörde sind zwei Fälle gemeldet worden, in denen Babys, die mit Wick behandelt wurden, Krämpfe bekommen hatten. Ein direkter Zusammenhang mit der Einreibung wurde vom Hersteller zwar in Frage gestellt, aber: "Wir haben Wick Baby nun aber auch in Deutschland und in den restlichen europäischen Ländern freiwillig vom Markt genommen, um die Kunden nicht zu verunsichern" erklärte die Firmensprecherin. Kinderärzte warnen seit langem allgemein vor einer allzu sorglosen Anwendung solcher Einreibungen, da die Resorption dieser Öle unerwünschte Nebenwirkungen auslösen kann und auch Atemstörungen beschrieben wuden. Zumindest bei Säuglingen sollte die Anwendung ähnlicher Präparate unterbleiben. Und das
alles ist nicht neu:
Vorsicht: Stark riechende ätherische
Öle, vor allem Campher und Menthol nicht bei Säuglingen und Kleinkindern
verwenden: Krämpfe, Atemnot und Atemstillstand drohen.
Da die Arzneimittelhersteller vor allem die teuren Unbedenklichkeitsstudien scheuen, gelten nicht wenige Naturheilmittel laut Packungsbeilage als ungeeignet für Schwangere und Kinder unter zwölf Jahren. Zumindest bei ätherischen Ölen
aber ist das Risiko gut dokumentiert. Bereits ein bis zwei Tropfen Pfefferminzöl
an Nase oder Mund führen bei Kleinkindern und Säuglingen zu Schleimhautreizungen
und Atemnot. Indem der Kehlkopf reflexartig die Luftröhre verschließt,
droht das Kind zu ersticken. Während sich 1990 offenbar kein einziges
Kind mit Eukalyptus, Minze und Co. vergiftetet, stieg die Zahl der in Deutschland
gemeldeten Fälle in den letzten fünf Jahren auf 1000. Inzwischen
stehen, nach Aussage von Matthias Brockstedt vom Giftzentrum Berlin, ätherische
Öle auf Rang drei der zu Vergiftungen bei Kindern und Säuglingen
führenden Haushaltsprodukte. Und Öle mit nennenswerten Gehalten
von Thujon, Campher oder anderen Ketonen, die in der Aromatherapie Verwendung
finden, können auch die Gesundheit Erwachsener gefährden. Bei
unsachgemäßem Gebrauch können sie sogar epileptische Anfälle
auslösen, die Leber schädigen oder zu Fehlgeburten führen.
Frage: Gerade in der letzten Zeit
fragten zahlreiche Kunden nach Majoransalbe für Säuglinge und
Kleinkinder. Uns ist bekannt, daß diese Zubereitungen nicht mehr
zur Anwendung kommen sollten. Wir bitten Sie, uns diesen Sachverhalt zu
erläutern.
Ein dreijähriges Kind mit Pseudokrupp
erwacht frühmorgens mit bellendem Husten. Die Eltern lassen über
eine Inhalations-Glocke eine wässrige Lösung mit Zusatz von vier
Tropfen BABIX-Inhalat N inhalieren, einer Kombination aus Fichtennadel-
und Eukalyptusöl. Unmittelbar anschließend tritt schwerer Stridor
mit Atemnot auf. Vom Kinderarzt erhält das Kind notfallmäßig
Prednisolon als Klysma und Adrenalin per Inhalation. Innerhalb von 30 Minuten
bildet sich der Stridor zurück (NETZWERK-Bericht 11.487). Ätherische
Öle wie Fichtennadel-, Eukalypnis- oder Kiefernnadelöl werden
gern als Einreibung oder Inhalat bei akuten grippalen Infekten eingesetzt
(vgl. a-t 1996; Nr. 12: 122 - siehe unten). Ein günstiger Einfluss
solcher Maßnahmen auf Beschwerden oder Krankheitsverlauf ist nicht
durch kontrollierte Studien belegt. Von Kinderärzten wird sogar eindringlich
vor Gebrauch ätherischer Öle bei Pseudokrupp gewarnt. Wegen hyperämisierender
Effekte sind Schleimhautschwellungen der oberen Luftwege mit lebensbedrohlichen
Atemnotzuständen als Folge zu befürchten. Bei vielen Ölzubereitungen
sind dagegen in der Gebrauchsinformation akute grippale Infekte, teils
auch ausdrücklich Pseudokrupp (z.B. bei BABIX-Inhalat N), als Anwendungsgebiet
angegeben. So wird zur Indikation, was Kontraindikation sein sollte. Da
hilft es nicht, wenn Kleinkinder bei den Gegenanzeigen genannt werden.
Tritt Pseudokrupp doch typischerweise in diesem Alter auf.
Winter ist Erkältungszeit, entsprechend husten meine kleinen Patienten jetzt häufig. Eltern lieben den Duft ätherischer Öle, und so werden die Kinder jetzt wieder reichlich mit dem Eukalyptus- und Fichtennadelöl-haltigen BABIX-INHALAT beträufelt und ringen darunter häufig schwer obstruktiv nach Luft (NETZWERK-Bericht 8723). Bedenklich ist, daß auch von
Apotheken vielen meiner Eltern PINIMENTHOL S MILD Salbe (Eukalyptus- und
Kiefernnadelöl) für ihre hustenden Kinder empfohlen wird mit
dem Hinweis, dieses sei gut, da speziell für Kinder dosiert. Meine
Erfahrung widerspricht diesem: Auf kein anderes Medikament sehe ich so
regelmäßig leichte bis mittelschwere Hautreaktionen in Form
von juckenden papulösen Erythemen. Obwohl der Zusammenhang deutlich
ist (die Kinder haben den Ausschlag ausschließlich im Bereich der
Einreibungen), nehmen die Eltern diesen nie wahr. Besonders Patienten mit
Neurodermitis sind betroffen, immerhin 20% aller Kinder (NETZWERK-Bericht
8724). Aus meiner Sicht sollte man vor der unkritischen Anwendung von PINIMENTHOL
S MILD Salbe warnen.
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